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Busse fahren in düstere Zukunft
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Dienstag, 18. Dezember 2012
Steigende Kosten stehen sinkenden Fahrgastzahlen gegenüber - das Defizit wächst

Von Bärbel Hillebrenner
Herford (HK). Der ÖPNV ist ein Zuschussgeschäft. Das wird sich nicht ändern, im Gegenteil: Die Kosten steigen weiter, die Fahrgastzahlen sinken. Der Kunde wird das Defizit - noch - nicht spüren. Die Ticketpreise stagnieren.

»Es gibt mehrere Faktoren, die das Defizit erhöhen, Faktoren, auf die wir keinen Einfluss haben: weniger Schüler, höhere Spritpreise, neues Tarifrecht und immer weniger Zuschüsse«, zählte Achim Overath auf. Der Geschäftsführer der Minden-Herforder Verkehrsgesellschaft (MHV), die für die beiden Kreise Herford und Minden-Lübbecke den Busverkehr organisiert, zeigte gestern ein düsteres Bild von der Zukunft des ÖPNV auf. Overath: »Die Schere zwischen Kostenaufwand und wegbrechenden Einnahmen geht immer weiter auseinander. In acht Jahren wird sich der Zuschussbedarf verdoppelt haben.«

Mit der Prognose, die die MHV in 2010 für das Jahr 2011 gemacht hat, lag sie jedoch völlig falsch - positiv für den Kreis Herford, negativ für den Kreis Minden-Lübbecke. Das Defizit in 2011 beträgt für Minden-Lübbecke 461 640 Euro, für den Kreis Herford nur 140 630 Euro. »Durch die veränderten Rahmenbedingungen aber kann sich das Gesamtdefizit in 2012 auf etwa 1,6 Millionen Euro und in 2013 sogar auf 2 Millionen Euro erhöhen«, sagte der MHV-Geschäftsführer.

Ausgleichen müssen die roten Zahlen die Kommunen, die sich darüber nicht freuen werden. Die Gemeindeprüfungsanstalt wäre beinahe jede Woche im Büro, um die Angebote kritisch unter die Lupe zu nehmen, aber die Möglichkeiten seien ausgereizt. Overath: »Würden wir das Angebot reduzieren, um Kosten zu sparen, wäre das kontraproduktiv. Das Gleiche gilt für eine Preiserhöhung, die hält der Markt nicht mehr aus.« Würde der ÖPNV finanziell gedeckt sein, müsste jede dritte Fahrt gestrichen werden.

Eine mögliche Entlastung wäre eine Staffelung der Schulanfangszeiten, denn der Schülerverkehr macht 70 Prozent im Busverkehr aus. Könnten auf einer Linie zum Beispiel mehrere Schulen angefahren werden, müssten weniger Busse eingesetzt werden. »Änderungen beim Unterrichtsbeginn aber bedeuten, dicke Bretter zu bohren, in der Schule, bei Lehrern und Eltern«, erklärte Ralf Stölting vom Kreis Herford. Die Kommunen, so seine gute Nachricht, würden ein eindeutiges Bekenntnis zum jetzigen Standard, zu den Angeboten und der Qualität abgeben.

Für den Erhalt der Standards tun sowohl die MHV als auch die Busverkehr Ostwestfalen-Lippe (BVO) schon eine Menge - beide Partner überprüfen regelmäßig die Fahrzeuge, deren Sauberkeit, das Verhalten der Fahrer, Pünktlichkeit, Haltestellen und Infotafeln. »Und wir freuen uns, dass unsere Hotline immer weniger klingelt«, sagte Siegfried Moog, Geschäftsführer der BVO. Pro Monat würden weniger als 30 Kunden die v 01805 / 60 70 85 anrufen, nach der Übernahme vor anderthalb Jahren war die Zahl fast dreimal so hoch. Um immer mehr Kunden in die Busse zu holen, hat die BVO mehrere Aktionen gestartet, zuletzt die Abo-Kampagne. Moog: »Bei einem Jahres-Abo fährt der Fahrgast im 12. Monat auf unsere Kosten. Das Angebot ist noch bis Jahresende buchbar. 70 Neukunden haben wir schon gewonnen.« Moog wundert sich, dass im Kreis Herford der Verkauf der Einzelkarten wesentlich besser laufe als der von Zeitkarten: »In anderen Regionen ist das andersrum.« Der Vergleich für November in beiden Kreisen: 2011 machten 150 000 Kunden eine Fahrt mit dem Bus, im vergangenen Monat waren es fast 155 000. An Abos verkaufte die BVO im November 2011 etwa 1200, im letzten Monat - mit Hilfe der Kampagne - waren es schon fast 1300. »Und es geht weiter aufwärts«, resümierte Moog.

© 2012 WESTFALEN-BLATT - Bad Oeynhausener Anzeiger und Tageblatt vom 18.12.2012