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Asterix und die Vlothoer Stromleitungen
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Donnerstag, 30. Januar 2014

Bürgermeister und Stadtwerke-Chef unterzeichnen Konzessionsverträge / Westfalen Weser Netz prüft noch

Vlotho. Bernd Stute ist Asterix-Fan. Deshalb bemüht Vlothos Bürgermeister gern das Bild vom kleinen gallischen Dorf an der Weser, das unbeirrt seinen eigenen Weg geht. Zum Beispiel in der Energieversorgung: Gestern kurz vor 11 Uhr vergab er namens der Stadt Vlotho die Konzession für die Stromversorgung der nächsten 20 Jahre den örtlichen Stadtwerken.

Die Vertragsunterzeichnung im Beisein der Medien fand im Zimmer seines Kämmerers Herbert Obernolte statt. Der agierte hier allerdings nicht als Stutes Untergebener, sondern als Geschäftsführer der Stadtwerke Vlotho GmbH.

Dieses Unternehmen hatte sich um die Strom- und die Gaskonzession beworben - und hatte beide Male den Zuschlag gekommen.

Beim Gas waren sie zuletzt einziger Bewerber. Beim Strom verwiesen sie den großen kommunalen Mitbewerber Westfalen Weser Netz GmbH auf den zweiten Platz. Wie die kleinen Stadtwerke das schafften ? "Weil wir das beste Angebot abgegeben haben", beantwortet Obernolte diese Frage.

So hat es, mit großer Mehrheit, auch der Stadtrat gesehen, als er bereits im Dezember die Konzessionsvergabe beschloss.

Fünf Dinge braucht ein Netzbetreiber: Er muss preisgünstig, effizient, umweltfreundlich, kundenorientiert und sicher sein. Das Beraterbüro Becker, Büttner Held (BBH) hat die Angebote geprüft und mit Punkten bewertet. Die meisten Punkte bekam: Obernoltes Stadtwerke GmbH. "Das war ein absolut diskriminierungsfreies Verfahren", versichern Stute und Obernolte.

"Unsere Stadtwerke waren schon immer leistungsstark. Jetzt werden sie ein Komplettanbieter", freut sich der Bürgermeister. Er nennt noch einmal seine Argumente für den Vlothoer Weg: Wertschöpfung vor Ort halten, kommunalen Einfluss auf die Netzgeschäfte sichern, Arbeitsplätze vor Ort schaffen, Bürgern den Service vor Ort bieten, Maßstäbe für die Energiewende setzen. "Entscheidend ist der Einfluss auf die unternehmerischen Entscheidungen", sagt Stute. Er ist fest davon überzeugt, dass auf diesem Weg auch so viel Geld in die städtischen Kassen kommt wie bei keiner anderen Lösung.

Derweil bereitet Obernolte die nächsten Schritte vor: Gründung einer Stromnetz-GmbH (Alleingesellschafter: Stadtwerke), Schaffung von "vier bis fünf" Arbeitsplätzen, Kauf des Netzes. Als Kooperationspartner helfen die lippischen Stadtwerke, deren "Stadtwerke Lippe Weser Service GmbH" mit Sitz in Detmold das Netzmanagement übernimmt. Das Netz müssen die Vlothoer dem jetzigen Versorger Westfalen Weser Netz GmbH abkaufen - zu einem Preis, der noch verhandelt wird.

40 Prozent des Kaufpreises soll Eigenkapital sein: Die Stadtwerke bringen es durch Umwandlung von städtischen Töchtern gewährter interner Darlehen in Fremddarlehen (also auch durch zusätzliche kommunale Verschuldung) auf.

Und was passiert, wenn WWN bis zum Letzten um das Vlothoer Netz kämpft wie noch vor kurzem in Lippe ? "Ich bin überzeugt, dass sie das Netz abgeben werden", sagt Obernolte. Zu welchen Konditionen, und was die technische "Entflechtung" kosten wird, sieht er als Verhandlungssache.

Bei der inzwischen zu hundert Prozent kommunalen Westfalen Weser Netz GmbH (zuvor: Eon Westfalen Weser) ist man unterdessen noch mit der rechtlichen Überprüfung des Vlothoer Konzessionsverfahrens beschäftigt. "Wir achten natürlich darauf, dass das Verfahren in Ordnung ist und wirklich der leistungsfähigste Anbieter den Zuschlag bekommt", sagt ein Sprecher.

In ihrem weiteren Verhalten sieht die WWN GmbH sich den Interessen ihrer Gesellschafter verpflichtet, wie Geschäftsführer Michael Heidkamp oft betont - und die haben nichts zu verschenken . . .

© 2014 NEUE WESTFÄLISCHE - Bad Oeynhausener Kurier vom 30.01.2014